Neue Berufskrankheiten: Was Arbeitnehmer heute wissen müssen

TRD Pressedienst – Wirtschaft & Soziales

(TRD/BNP) Berufskrankheiten entstehen oft schleichend und werden erst spät erkannt. Für viele Beschäftigte bedeutet das einen abrupten Einschnitt in das Arbeitsleben. Die gesetzliche Unfallversicherung bleibt in solchen Fällen der zentrale Ansprechpartner: Sie übernimmt Heilbehandlungen und kann – je nach Schwere – eine Verletztenrente gewähren.

Mit der fortlaufenden Aktualisierung der Berufskrankheiten‑Liste reagiert der Gesetzgeber auf neue wissenschaftliche Erkenntnisse und veränderte Arbeitsbedingungen. Seit der letzten Erweiterung wurden mehrere Erkrankungen offiziell anerkannt, was Betroffenen den Zugang zu Leistungen erleichtert.

Fünf neue anerkannte Berufskrankheiten
Die Arbeitsgemeinschaft Medizinrecht im Deutschen Anwaltverein (DAV) weist darauf hin, dass seit der jüngsten Anpassung folgende Erkrankungen neu aufgenommen wurden:

Leukämie durch 1,3‑Butadien
Ein farbloses Gas, das in der Kunststoff‑ und Gummiindustrie eingesetzt wird. Beschäftigte in Produktionsbetrieben gelten als besonders gefährdet.

Harnblasenkrebs durch polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK)
Typisch für Tätigkeiten in Aluminiumwerken, Gießereien, Hochöfen sowie bei Schornsteinfegern.

Kehlkopfkrebs durch PAK
Ebenfalls relevant für Branchen mit hoher Rauch‑, Ruß‑ oder Verbrennungsbelastung.

Fokale Dystonie bei Instrumentalmusikern
Eine neurologische Bewegungsstörung, die vor allem professionelle Musiker, Orchestermitglieder und Musikpädagogen betrifft.

Ovarialkarzinom (Eierstockkrebs) durch Asbest
Besonders bei Frauen, die früher in der Asbesttextilindustrie tätig waren – etwa in Spinnereien, Webereien oder Betrieben, die hitzebeständige asbesthaltige Materialien herstellten.

Ein Tablet mit dem Text Berufskrankheit auf dem Display
Seit dem 1. August 2017 sind fünf weitere Krankheiten in die Liste der Berufskrankheiten aufgenommen worden.

Viele Branchen betroffen
Die neuen Anerkennungen zeigen, wie breit das Spektrum beruflicher Risiken geworden ist. Neben klassischen Industriearbeitsplätzen rücken zunehmend auch kreative und kulturelle Berufe in den Fokus. Während Asbest‑ und PAK‑Belastungen vor allem in älteren Produktionsumgebungen auftreten, betreffen moderne Berufskrankheiten wie die fokale Dystonie Tätigkeiten, die hohe Präzision und dauerhafte Belastung einzelner Muskelgruppen erfordern.

Rechtliche Bedeutung für Arbeitnehmer
Für Betroffene ist die offizielle Anerkennung entscheidend. Erst dadurch entsteht ein Anspruch auf:

medizinische Behandlung

Rehabilitationsmaßnahmen

finanzielle Leistungen der Unfallversicherung

mögliche Rentenzahlungen bei dauerhaften Einschränkungen

Arbeitnehmer sollten bei Verdacht auf eine Berufskrankheit frühzeitig ärztlichen Rat einholen und die Dokumentation ihrer Tätigkeit sichern.

Fazit
Die Erweiterung der Berufskrankheiten‑Liste zeigt, wie stark sich Arbeitswelten und Belastungsprofile verändert haben. Von industriellen Schadstoffen bis zu hochspezialisierten Kulturberufen: Berufskrankheiten betreffen heute eine Vielzahl von Beschäftigten. Die gesetzliche Unfallversicherung bleibt dabei ein zentrales Schutzinstrument, das Betroffenen den Zugang zu medizinischer und finanzieller Unterstützung ermöglicht.

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