DAF setzt 2023 auf Effizienz: Kleine Motoren, große Wirkung im schweren Lkw‑Segment

Die Europameisterschaft der Sattelzugmaschinen war dem niederländischen Hersteller DAF auch 2023 nicht zu nehmen. Doch die Strategen in Eindhoven ruhen sich darauf nicht aus. Der Markt verlangt nach neuen Varianten, effizienteren Antrieben und Lösungen für spezialisierte Transportaufgaben. Während andere Hersteller mit hohen Motorleistungen werben, bleibt DAF seiner Linie treu: sparsame, praxisorientierte Antriebe statt Leistungsprotzerei.

Gerade im kostenbewussten Transportgewerbe kommt diese Philosophie gut an. Viele Betreiber benötigen keine 13‑Liter‑Motoren, weil sie weder schwere Anhänger ziehen noch Alpenpässe erklimmen. Ein klassisches Beispiel ist das Entsorgungsgeschäft mit Wechselcontainern: Rund die Hälfte aller Fahrten sind Schwachlastfahrten.

Kleiner Motor, großer Nutzen: DAF CF mit 6,7‑Liter‑Sechszylinder
Für den Praxistest dient ein dreiachsiger DAF CF mit zwei zwillingsbereiften Hinterachsen und großem Abrollbehälter. Unter der Kabine arbeitet ein kompakter 6,7‑Liter‑Sechszylinder mit 231 kW (314 PS) und 1.100 Nm.

Der kleine Motor spart gegenüber einem 11‑Liter‑Aggregat rund 600 Kilogramm Gewicht – ein Vorteil, der direkt der Nutzlast zugutekommt. Entscheidend ist die passende Übersetzung: Ein automatisiertes ZF‑Zwölfganggetriebe sorgt dafür, dass der 26‑Tonner im Nahverkehr zügig mitschwimmt.

Der PX‑Motor klingt kernig, verlangt aber höhere Drehzahlen. Die einfache Auspuffklappen‑Motorbremse fordert die Radbremsen stärker, doch insgesamt überzeugt der Antriebsstrang. Fahrer profitieren von einem komfortablen, gut klimatisierten Fahrerhaus und luftgefederten Hinterachsen.

Volumentransport: DAF LF 280 FA mit 120‑m³‑Kapazität
Auch im Volumensegment setzt DAF auf kompakte Motoren. Der DAF LF 280 FA nutzt denselben Sechszylinder – hier mit 206 kW (280 PS) – und zieht einen tiefgekuppelten Tandemanhänger. Der Lastzug fasst 120 Kubikmeter, ideal für leichte Güter wie Dämmstoffe oder Haushaltsgeräte.

Besonderheit: Kleine 17,5‑Zoll‑Räder ermöglichen einen extrem großen Ladungsträger. Trotz 22 Tonnen Gesamtgewicht bringt das AS‑Tronic‑Getriebe den Zug zügig in Schwung. Ein großer Dachspoiler reduziert den Luftwiderstand, und Tanks bis 1.240 Liter ermöglichen lange Reichweiten im europäischen Fernverkehr.

Low‑Deck‑Technik: DAF XF 440 für die Automobilindustrie
Für schwere, aber voluminöse Ladung – etwa im Automotive‑Bereich – bietet DAF den XF 440 Lowdeck.
Ziel: 100 m³ Ladevolumen bei 3 Metern Innenhöhe, ohne die gesetzliche Gesamthöhe von 4 Metern zu überschreiten.

Die Lösung entsteht in Kooperation mit Goodyear:

Vorderachse: 375/45 R 22.5

Hinterachse: 315/45 R 22.5 (Zwillingsbereifung)

Diese Niederquerschnittsreifen ermöglichen eine Aufsattelhöhe von nur 91 cm.
Der 11‑Liter‑Motor mit 324 kW (440 PS) spart rund 180 kg gegenüber dem 13‑Liter‑Aggregat – ideal für Volumentransporte, die selten 40 Tonnen erreichen.

Die Luftfederung an beiden Achsen ist Pflicht: Nur so lassen sich Unterführungen, Rampen und Bodenwellen sicher meistern, ohne dass der Auflieger aufsetzt.

„Silent“-Varianten: Leise Lieferungen für den urbanen Raum
DAF bietet für alle Baureihen sogenannte Silent‑Modelle an – ein Angebot, das 2023 zunehmend gefragt ist.
Im Flüstermodus begrenzen die Motoren ihre Drehzahl:

kleine Motoren: max. 1.600 U/min

große Motoren: max. 1.400 U/min

Das AS‑Tronic‑Getriebe erhält eine zusätzliche Lärmschutzkapsel.
Im Ergebnis erfüllen die Fahrzeuge städtische Lärmschutzauflagen, wie sie etwa in den Niederlanden oder Belgien für Abend‑ und Nachtlieferungen gelten.

Der Fahreindruck: Die Dynamik ist reduziert, aber für die letzten Meter im Wohngebiet völlig ausreichend. Kommunale Dienste und City‑Logistiker zeigen großes Interesse.

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