(TRD/BNP) TikTok hat sich in den vergangenen Jahren von einer Unterhaltungsplattform für Kurzvideos zu einem relevanten Kanal für Nachrichten und politische Inhalte entwickelt. Für Medienanbieter und politische Akteure ist die App längst ein wichtiger Ausspielweg, für junge Nutzerinnen und Nutzer zunehmend eine Informationsquelle. Doch die Art und Weise, wie Jugendliche und junge Erwachsene TikTok nutzen, ist von Ambivalenz geprägt: Sie schätzen die personalisierte Unterhaltung, erleben aber auch Momente von Widerstand und Kontrollverlust.
Eine neue qualitative Studie des Leibniz-Instituts für Medienforschung im Rahmen der Initiative #UseTheNews untersucht, wie junge Menschen zwischen 16 und 24 Jahren mit dem TikTok-Algorithmus interagieren. In sechs Fokusgruppen und zwölf vertiefenden Interviews wurde deutlich, dass die Teilnehmenden nur wenig Wissen über die Datensammlung und Verarbeitung durch TikTok besitzen. Engagement-Metriken wie Likes oder Kommentare sind bekannt, doch welche personenbezogenen Daten tatsächlich erhoben und in das Empfehlungssystem einfließen, bleibt weitgehend unklar. Mit zunehmendem Alter wächst zwar das Verständnis für die Funktionsweise der Plattform, doch insgesamt sind die Bedenken hinsichtlich Datenschutz gering.
Die For-You-Page wird von den Befragten vielfältig genutzt, meist jedoch unbewusst und ohne gezielte Einflussnahme auf den Algorithmus. TikTok wird als „perfekter Zeitvertreib“ beschrieben, der durch die Individualisierung positive Gefühle wie Interesse, Wertschätzung und Unterhaltung erzeugt. Gleichzeitig berichten viele von Situationen, in denen unpassende Inhalte Genervtheit oder Unbehagen auslösen. In solchen Momenten versuchen sie, den Algorithmus aktiv zu steuern – etwa durch Swipen oder Nutzungspausen. Dieses Verhalten spiegelt ihr Streben nach Autonomie wider, auch wenn die wahrgenommene Selbstwirksamkeit begrenzt bleibt.
Bemerkenswert ist die emotionale Bindung, die junge Menschen zur Plattform entwickeln. Manche personifizieren TikTok sogar als „Begleiter“, der einerseits beliebt ist, andererseits kritisch gesehen wird. Für aktuelle Nachrichten wird TikTok als praktisch empfunden, da man passiv „auf dem neuesten Stand“ bleibt. Politische Inhalte hingegen werden nur selten aktiv gesucht, da die Plattform als „nicht vertrauenswürdig“ gilt. Memes und bearbeitete Inhalte mindern die Glaubwürdigkeit, auch wenn die Reichweite für journalistische Angebote groß ist. Playlist: D:TON
Die Studie zeigt, dass TikTok für junge Menschen eine zentrale Informationsquelle darstellt, gleichzeitig aber Risiken birgt. Fördermaßnahmen zur Stärkung von Medienkompetenz und Datenschutzbewusstsein sind notwendig, um Jugendliche gegen algorithmische Beeinflussung zu sensibilisieren. Für die Medienbranche liefern die Ergebnisse wertvolle Hinweise, wie Nachrichtenformate auf TikTok gestaltet werden können, ohne die Vertrauensfrage zu vernachlässigen.
Konzipiert und durchgeführt wurde die Untersuchung von Dr. Leonie Alatassi, Dr. Sascha Hölig und Philipp Kessling. Befragt wurden Jugendliche und junge Erwachsene in Hamburg, Düsseldorf und Erfurt. Die Feldzeit lief von März bis Mai 2025.
Mit der Studie „Zwischen Wertschätzung und Widerstand: Algorithmische Kompetenz junger Menschen am Beispiel der Kurzvideoplattform TikTok“ leistet das Leibniz-Institut für Medienforschung einen wichtigen Beitrag zur Debatte über digitale Informationskultur. Die Ergebnisse verdeutlichen: TikTok ist für junge Menschen gleichermaßen Unterhaltungsplattform und Nachrichtenquelle – und damit ein Ort, an dem Wertschätzung und Widerstand eng beieinanderliegen.
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