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Sexualaufklärung: Fachrunde fordert zeitgemäße Konzepte für Schulen

Banane mit Kondom

Foto: pusteflower9024 on Adobe Stock

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TRD Bildung und Soziales

(TRD/BNP) Beim ersten Roundtable zur sexuellen Bildung diskutierten Vertreter aus Politik, Verwaltung, Wissenschaft sowie Schüler‑ und Elternschaft über den aktuellen Stand der Sexualaufklärung an deutschen Schulen. Anlass waren steigende Fallzahlen sexuell übertragbarer Infektionen sowie Befragungsdaten, die auf deutliche Wissenslücken bei jungen Menschen hinweisen.

Unterschiedliche Qualitätsniveaus im Unterricht
Nach Einschätzung der Teilnehmenden wird Sexualaufklärung bundesweit sehr unterschiedlich umgesetzt. Häufig findet sie ausschließlich im Biologieunterricht statt und bleibt damit auf anatomische Grundlagen beschränkt. Psychosoziale Aspekte, digitale Lebenswelten oder gesellschaftliche Fragestellungen werden vielerorts nur am Rand behandelt.

Lehrkräfte berichteten von Unsicherheiten im Umgang mit sensiblen Themen, Zeitdruck und fehlenden Fortbildungsangeboten. Unterrichtsmaterialien gelten teilweise als veraltet oder nicht diversitätsgerecht. Schülerinnen und Schüler schilderten, dass ihnen geschützte Räume für offene Fragen fehlen.

Digitale Informationsräume prägen das Wissen
Ein wiederkehrender Punkt war die Verschiebung der Wissensquellen. Viele Jugendliche beziehen Informationen über Sexualität aus sozialen Medien oder pornografischen Inhalten. Dies führt laut den Diskussionsbeiträgen zu Fehlinformationen und verzerrten Vorstellungen. Schulen stehen damit vor der Aufgabe, digitale Räume stärker in die Aufklärungsarbeit einzubeziehen.

Curriculare Impulse aus der Wissenschaft
Prof. Dr. Heinz‑Jürgen Voß (Hochschule Merseburg) stellte das Curriculum „SeBiLe 2.0“ vor. Es soll Lehrplan, Fortbildung und Unterrichtsmaterialien systematisch miteinander verzahnen und eine evidenzbasierte, zeitgemäße Sexualbildung ermöglichen. Voß betonte die Notwendigkeit einer grundlegenden Reform der Lehrkräfteausbildung.

Diskutierte Reformansätze
Im Verlauf der Fachrunde wurden verschiedene Maßnahmen erörtert:

verbindliche Mindeststandards für Umfang und Inhalte

verpflichtende Aus‑ und Fortbildungen für Lehrkräfte

regelmäßige Aktualisierung von Unterrichtsmaterialien

fächerübergreifende Verankerung sexueller Bildung

klare Schutz‑ und Verweisstrukturen für Schulen

stärkere Berücksichtigung digitaler Informationsräume

Ausbau personeller Ressourcen für Präventions‑ und Bildungsarbeit

Mehrere Beiträge hoben hervor, dass Sexualaufklärung als kontinuierlicher Bestandteil schulischer Bildung verstanden werden müsse.

TRD‑Faktenkasten: Sexualbildung in Deutschland
Epidemiologische Daten (RKI, Jahresbericht 2024)
Syphilis: +7 % Fälle im Vergleich 2023–2024

Gonorrhö: +11 % im gleichen Zeitraum

Trend: Anstieg mehrerer STI‑Indikatoren

Durex Global Sex Survey 2024 – Deutschland
40 % der 18–24‑Jährigen sind unsicher beim Schutz vor STIs

62 % fühlen sich unwohl, Kondomnutzung anzusprechen

48 % wissen nicht sicher, wo sie Hilfe erhalten

Schule wird von vielen als am wenigsten hilfreiche Quelle wahrgenommen

Strukturelle Rahmenbedingungen
Sexualaufklärung ist Ländersache → große Unterschiede

Fokus vieler Lehrpläne liegt auf Biologie

Fortbildungsangebote uneinheitlich und oft freiwillig

Digitale Lebenswelten kaum systematisch abgebildet

Schulen sollten zum „Fundament der digitalen Wissensgesellschaft“ werden

Mangels Medienkompetenz sollen Lehrer die digitale Schulbank drücken

Privatschulen: Bildungsstätten für Schüler wohlhabender Eltern

Online-Markenschutz: Mehr Licht in den entlegensten Winkeln des Internet

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