(TRD) Kopf‑Hals‑Tumore zählen zu den am stärksten zunehmenden Krebsarten weltweit. Während ältere Schätzungen von rund 600.000 Neuerkrankungen pro Jahr ausgingen, liegen die aktuellen Daten der International Agency for Research on Cancer inzwischen bei rund 900.000 Fällen jährlich. Damit gehören Tumoren im Bereich von Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf zu den häufigsten malignen Erkrankungen weltweit.
Die Corona‑Pandemie hat diese Entwicklung zusätzlich beeinflusst. Während der Lockdowns gingen Vorsorgeuntersuchungen und HNO‑Abklärungen in vielen Ländern deutlich zurück. Zahlreiche Tumoren wurden erst in fortgeschrittenen Stadien entdeckt, was die Behandlung erschwert und die Prognose verschlechtert. Fachgesellschaften berichten zudem, dass die HPV‑Impfquoten während der Pandemie gesunken sind – ein Faktor, der langfristig zu einem weiteren Anstieg HPV‑assoziierter Kopf‑Hals‑Tumoren beitragen kann.
Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen weiterhin Tabakkonsum, Alkoholkonsum und Infektionen mit Humanen Papillomaviren.
Frühe Symptome werden häufig unterschätzt
Typische Beschwerden wie Schluckbeschwerden, anhaltende Heiserkeit oder eine einseitige Lymphknotenschwellung am Hals überschneiden sich mit vielen harmlosen Krankheitsbildern. Viele Betroffene deuten diese Signale falsch oder warten ab, weil sie eine Erkältung, eine Stimmbelastung oder eine Refluxerkrankung vermuten. Hinzu kommt, dass manche Menschen aus Angst vor einer ernsten Diagnose oder aus Gewohnheit seit der Pandemie den Arztbesuch hinauszögern. Diese Verzögerung führt jedoch dazu, dass Tumoren häufig erst in späteren Stadien erkannt werden.
Die 3‑Wochen‑Regel der EHNS
Die European Head and Neck Society empfiehlt, Beschwerden im Kopf‑Hals‑Bereich, die länger als drei Wochen bestehen, ärztlich abklären zu lassen. Diese einfache Regel soll helfen, frühe Tumorstadien nicht zu übersehen und die Behandlungschancen zu verbessern.
Checkliste: Wann zum HNO‑Arzt?
• Schluckbeschwerden, die länger als drei Wochen anhalten
• Heiserkeit ohne erkennbare Ursache über mehr als drei Wochen
• Einseitige Lymphknotenschwellung am Hals, die nicht zurückgeht
• Druck‑ oder Fremdkörpergefühl im Hals
• Schmerzen beim Schlucken oder Sprechen
• Blutiger Speichel oder ungeklärte Veränderungen der Mundschleimhaut
• Vorliegen relevanter Risikofaktoren wie Rauchen, Alkohol oder HPV‑Infektion
Therapieoptionen
Die Behandlung erfolgt heute interdisziplinär und umfasst chirurgische Verfahren, Strahlen‑ und Chemotherapie sowie zunehmend Immuntherapien, die bei fortgeschrittenen Stadien eingesetzt werden. Ziel ist es, Tumorfreiheit zu erreichen und gleichzeitig lebenswichtige Funktionen wie Sprechen, Schlucken und Atmen zu erhalten.
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