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TRD Tagesthema: Studie zeigt – KI bedroht zunehmend komplexe Wissensarbeit

Kopf einer Person umhüllt von einer dunklen Wolke mit der Aufschrift KI
Foto: photoschmidt on Adobe Stock

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TRD Pressedienst – Digitalisierung und Arbeitswelt

Drei Jahre nach dem Durchbruch generativer KI zeichnet sich ab, dass die Technologie die Struktur moderner Arbeitsmärkte grundlegend verändern könnte. Eine aktuelle Untersuchung des Kreditversicherers Coface zeigt, dass die nächste Entwicklungsstufe der KI nicht mehr nur unterstützend wirkt, sondern ganze Arbeitsabläufe eigenständig übernehmen kann. Damit geraten erstmals Tätigkeiten in den Fokus, die bislang als vergleichsweise geschützt galten.

Die Studie, die Coface gemeinsam mit dem Observatoire des Emplois Menacés et Émergents (OEM) erstellt hat, analysiert die Automatisierbarkeit von 923 Berufen in fast 30 Ländern. Grundlage ist ein granularer Ansatz, der Tätigkeiten in einzelne Arbeitsschritte zerlegt und nach reproduzierbaren Kriterien bewertet. Die Autoren betonen, dass es um die technische Machbarkeit von Automatisierung geht – nicht um konkrete Arbeitsplatzverluste.

Automatisierung verlagert sich in kognitive Tätigkeiten
Während frühere Technologiewellen vor allem körperliche oder klar definierte Routinearbeiten betrafen, richtet sich der Fokus agentenbasierter KI zunehmend auf datenintensive, analytische und koordinierende Aufgaben. Systeme können nicht mehr nur einzelne Schritte unterstützen, sondern komplette Abläufe übernehmen. Betroffen sind unter anderem Ingenieurwesen, IT, Recht, Finanzen, Verwaltung sowie kreative und analytische Tätigkeiten.

Nach Angaben der Studie weist rund jeder achte Beruf einen Automatisierbarkeitsanteil von über 30 Prozent auf. Tätigkeiten, die stark an physische Präsenz, manuelle Fähigkeiten oder echte zwischenmenschliche Interaktion gebunden sind – etwa Handwerk, Pflege, Gastronomie oder persönliche Dienstleistungen – gelten dagegen als vergleichsweise robust.

Deutschland stärker exponiert als der europäische Durchschnitt
Zwischen den untersuchten Ländern zeigen sich deutliche Unterschiede. Der Anteil potenziell automatisierbarer Arbeitsinhalte reicht von rund 12 Prozent in der Türkei bis fast 20 Prozent im Vereinigten Königreich. Deutschland liegt mit 17 Prozent über dem europäischen Mittelwert und bildet zusammen mit Österreich, Tschechien, der Slowakei und Slowenien ein industriell geprägtes Cluster.

Die deutsche Wirtschaftsstruktur mit hohem Anteil an Ingenieurwesen, industrieller Fertigung, technischen Dienstleistungen, Forschung, öffentlicher Verwaltung und Bildung führt zu einem Arbeitsmarktprofil, in dem viele informationsintensive und koordinierende Aufgaben anfallen – Tätigkeiten, die besonders anfällig für KI‑gestützte Automatisierung sind. Gleichzeitig ist der Anteil stark dienstleistungsorientierter oder IT‑intensiver Tätigkeiten geringer als in Ländern wie den Niederlanden oder dem Vereinigten Königreich.

Folgen für Wertschöpfung, Bildung und geopolitische Abhängigkeiten
Die Autoren sehen weitreichende Konsequenzen. Da KI vor allem gut bezahlte, hochqualifizierte Tätigkeiten betrifft, könnten wirtschaftliche und soziale Gleichgewichte unter Druck geraten. Wertschöpfung könnte sich stärker von menschlicher Arbeit hin zu KI‑basierten Prozessen verlagern. Staaten mit arbeitsbezogenen Steuersystemen müssten sich auf sinkende Einnahmen und steigende Ausgaben für Qualifizierung und soziale Sicherung einstellen.

Auch das Bildungssystem steht vor Anpassungsbedarf. Kompetenzen wie kritisches Urteilsvermögen, Anpassungsfähigkeit und der Umgang mit komplexen KI‑Systemen gewinnen an Bedeutung. Hochschulen und berufliche Bildungseinrichtungen müssten ihre Programme stärker auf Fähigkeiten ausrichten, die KI ergänzen statt mit ihr zu konkurrieren.

Zudem entstehen neue geopolitische Abhängigkeiten. Schlüsselressourcen wie Halbleiter, Rechenzentren oder KI‑Modelle sind global stark konzentriert. Dies erhöht die Anfälligkeit gegenüber externen Schocks wie Exportbeschränkungen, regulatorischen Veränderungen oder Lieferkettenrisiken.

Weitere Informationen und die vollständige Studie stehen unter http://www.coface.de bereit. Die Ergebnisse werden am 23. April beim Coface Kongress in Mainz vorgestellt. Eine kostenlose Anmeldung ist unter http://www.cofacekongress.de möglich.

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