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Elektrobusse im Härtetest: Europas Verkehrsbetriebe kämpfen weiter mit technischen Schwachstellen

Elektromobilität

Foto: Benjaminpx on Adobe Stock

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TRD Mobilität Die Elektrifizierung des öffentlichen Nahverkehrs gilt als zentraler Baustein der europäischen Klimastrategie. Doch der Alltagseinsatz zeigt, dass die Technologie trotz großer Fortschritte weiterhin an Grenzen stößt. Jüngstes Beispiel ist Innsbruck: Auf der steilen Verbindung am Schusterbergweg verliert ein Elektrobus der Linie 502 wiederholt an Leistung, sodass Fahrgäste den letzten Abschnitt zu Fuß zurücklegen müssen. Der Verkehrsbund Tirol (VVT) spricht von einem softwarebedingten Problem, das die Motorleistung bergauf begrenzt, um Überhitzung zu vermeiden. Der Hersteller MAN arbeitet an einer kurzfristigen Lösung.

Europaweite Herausforderungen im E‑Bus‑Betrieb
Die Tiroler Vorfälle stehen nicht isoliert. In mehreren Ländern häufen sich Meldungen über Einschränkungen im Betrieb:

Deutschland: In Heidelberg fallen E‑Gelenkbusse bei Frost aus, in Berlin wurden 70 Fahrzeuge wegen Rissen im Rahmen stillgelegt.

Schweiz: Verkehrsunternehmen berichten von Batterieproblemen und Störungen in der Leistungselektronik.

Skandinavien: Extreme Kälte führt zu Reichweitenverlusten und Problemen bei der Rekuperation.

Großbritannien: Ladeinfrastruktur überhitzt im Dauerbetrieb oder drosselt ihre Leistung.

Südeuropa: Hohe Temperaturen zwingen Hersteller zu Software‑Updates, die die Reichweite reduzieren.

Technologische Entwicklung: Fortschritte, aber noch kein ausgereifter Standard
Die Elektromobilität im Busverkehr hat in den vergangenen Jahren deutliche Fortschritte gemacht. Moderne Fahrzeuge verfügen über leistungsfähigere Batterien, effizientere Antriebe und verbesserte Thermomanagementsysteme. Gleichzeitig investieren Städte massiv in Ladeinfrastruktur und Betriebskonzepte.

Doch trotz dieser Entwicklung bleibt die Technologie in einer Übergangsphase:

1. Topografie und Lastwechsel
Steile Strecken wie in Innsbruck oder in Schweizer Bergregionen bringen einzelne Modelle an ihre Leistungsgrenzen. Die Kombination aus hoher Fahrzeugmasse, voller Besetzung und langen Steigungen erfordert eine präzise Abstimmung von Software, Kühlung und Antrieb.

2. Temperaturabhängigkeit
Kälte reduziert die nutzbare Batteriekapazität, Hitze belastet Zellen und Elektronik. Viele Hersteller arbeiten an aktiven Kühlsystemen und verbesserten Zellchemien, doch im realen Linienbetrieb zeigen sich weiterhin deutliche Schwankungen.

3. Ladeinfrastruktur
Schnellladestationen sind technisch anspruchsvoll und im Dauerbetrieb störanfällig. Überhitzung, Leistungseinbrüche oder Kommunikationsfehler zwischen Bus und Ladesäule führen zu Verspätungen und Ausfällen.

4. Materialermüdung und frühe Baureihen
Viele E‑Busse stammen aus Pilotserien, die noch nicht für jahrzehntelangen Dauereinsatz optimiert sind. Probleme wie Rahmenrisse, defekte Batteriemodule oder fehleranfällige Leistungselektronik treten häufiger auf als bei langjährig erprobten Dieselmodellen.

5. Software als kritischer Faktor
Die Steuerung von Leistung, Rekuperation, Temperatur und Sicherheit ist hochkomplex. Kleine Fehler können große Auswirkungen haben – wie in Tirol, wo ein Softwarelimit die Steigfähigkeit beeinträchtigt.

Weltweiter Kontext
Weltweit sind laut dem World Resources Institute rund 780.000 Elektrobusse im Einsatz, davon über 90 Prozent in China. Während chinesische Hersteller auf jahrzehntelange Erfahrung und standardisierte Einsatzbedingungen zurückgreifen, müssen europäische Betreiber ihre Flotten oft unter anspruchsvolleren klimatischen und topografischen Bedingungen betreiben.

Fazit
Die Elektromobilität im ÖPNV befindet sich in einer Phase schnellen Wachstums, aber auch intensiver Lernprozesse. Die Tiroler Vorfälle verdeutlichen, dass E‑Busse zwar technisch weit entwickelt sind, jedoch weiterhin Schwachstellen aufweisen – insbesondere bei Steigungen, extremen Temperaturen und im Zusammenspiel mit der Ladeinfrastruktur. Für Verkehrsunternehmen bedeutet das: Die Transformation ist im Gange, aber der Weg zu einem vollständig robusten, alltagstauglichen E‑Bus‑System ist noch nicht abgeschlossen.

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