Blutplättchen als Frühindikator für schweren Corona‑Verlauf

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Forschenden der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, mithilfe der Anzahl und Struktur von Blutplättchen vorherzusagen, ob eine Corona‑Infektion einen schweren Verlauf nehmen kann. Sobald sich der Körper mit Sars‑CoV‑2 infiziert, bilden sich durch die Anlagerung von Blutplättchen an Immunzellen sogenannte Zellaggregate im Blutkreislauf.

Eine Studie des Teams um Oliver Hayden, Professor für Biomedizinische Elektronik, zeigt mithilfe bildgebender Durchflusszytometrie, dass bei Intensivpatienten mit schwerem Verlauf die Konzentration dieser Blutplättchen‑Aggregate deutlich erhöht ist. Damit wurde ein prognostischer Biomarker für den Schweregrad von COVID‑19 identifiziert.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit
Das Ergebnis entstand unter den optimalen Bedingungen des Zentralinstituts TranslaTUM, das Ingenieure der TUM mit Medizinern des Klinikums rechts der Isar verbindet. Für die Analyse genügen wenige Tropfen Blut, um innerhalb von Sekunden tausende Blutzellen zu zählen und deren Aggregation zu bestimmen – ohne aufwendige Probenaufbereitung oder Markierung.

Hayden betont den Vorteil der Methode: Sie erlaubt eine standardisierte, patientennahe Messung, die Alterungseffekte der Blutproben ausschließt und Wechselwirkungen zwischen Gerinnungssystem und Immunsystem quantifizierbar macht.

Studienergebnisse
Das Forschungsteam untersuchte Blutproben von 36 Intensivpatienten im Alter zwischen 32 und 83 Jahren.

Bei schwer erkrankten Patienten war die Zahl gebundener Thrombozyten signifikant höher als bei mäßig Erkrankten oder gesunden Blutspendern.

Die Zusammensetzung der Zellaggregate veränderte sich graduell und frühzeitig mit dem Schweregrad der Erkrankung.

In Extremfällen lagen bis zu zwei Drittel aller Thrombozyten aggregiert vor.

Diese einfache Diagnostik könnte künftig helfen, Risikopatienten frühzeitig zu identifizieren und die Versorgung zu verbessern.

Ausblick
Die Forschenden gehen davon aus, dass die Methode auch bei anderen Erkrankungen wie Herz‑Kreislauf‑ oder Krebserkrankungen Anwendung finden könnte.
Damit eröffnet sich ein neues Feld für die quantitative Analyse von Zellinteraktionen im Blut – schnell, kostengünstig und standardisierbar.

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