Auf Langstrecke mit der Harley-Davidson LiveWire unterwegs

 Router ebnen Nutzern den Weg ins Internet. © MediaDS / pixabay.com / TRD digital und technik

(TRD/MID) Wie lange braucht man von Berlin bis Usedom? Mit dem Zug gut vier Stunden, mit dem Auto dreieinhalb Stunden und mit dem Motorrad vielleicht noch mal 15 Minuten weniger. Wie lange aber dauert es mit der LiveWire, dem E-Motorrad von Harley-Davidson? Samstag hin, Sonntag zurück – geht das? Der Motor-Informations-Dienst (mid) hat einen Langstreckentest mit der elektrischen Amerikanerin unternommen.

Von Berlin-Zehlendorfs berühmtem Motorradtreff „Spinnerbrücke“ sind es über die Bundesstraße 96 exakt 235 Kilometer nach Zinnowitz auf Usedom. Kein Problem also, mit der LiveWire einen Ausflug ans Meer zu unternehmen. Schließlich gibt Harley-Davidson eine Reichweite von bis zu 235 Kilometern an.

Es ist Samstag, 13.30 Uhr, der Rucksack ist gepackt und die „mobility+ App“ von EnBW konsultiert. Die Harley-Davidson LiveWire wird an der Raststätte Grunewald noch einmal aufgeladen und gegenüber beim „Spinnerbrücken-Treff“ fotografiert. Die meisten Biker sind neugierig, fragen nach der „Performance“ des E-Motorrads – andere können mit der Stromerin offenbar wenig anfangen.

 

Noch mal voll laden für die Tour, das Gepäck kommt in den Rucksack. © Rainer Unruh / mid /trd mobil

Tatsächlich macht die Fahrt mit dem Elektro-Kraftrad einen Heidenspaß. Sobald der Startschalter gedrückt ist, erscheint im Display ein grünes Signal. Am verlängerten Rücken spürt man eine kleine Vibration, die sich wie ein zarter Herzschlag anfühlt. Ein kleiner Zug am „Gasgriff“ – der Motor gibt einen gut wahrnehmbaren Düsenjet-Sound von sich – und schon zischt die E-Harley in drei Sekunden von null auf 100 Kilometer je Stunde.

Der Permanentmagnet-Synchronmotor der Harley-Davidson LiveWire entwickelt ungeahnte Kräfte. Im Sportmodus liefert er sofort anliegende 116 Newtonmeter Drehmoment und eine Spitzenleistung von 106 PS. Spätestens nach dieser ersten Höllenbeschleunigung sollte der Biker jedoch kurz innehalten und sich genau überlegen, wo er an diesem Tag noch hin will. Es soll schließlich eine Langstrecke sein. Aber durch den fulminanten Antritt sind bereits jetzt mindestens zehn Kilometer Reichweite mehr verbraucht als geplant. Nun heißt es: Energie sparen und vom Sport- in den Ecomodus wechseln.

Die kurze Autobahn- und die lange Bundesstraßenfahrt machen Spaß. Die LiveWire lässt sich leicht und zügig bewegen. Schnell sind 100 Kilometer zurückgelegt und schon greift die Reichweiten-Angst um sich. Sie beginnt nach 140 gefahrenen Kilometern in Neustrelitz. Plötzlich werden auf dem Display nur noch 60 Kilometer Restreichweite angezeigt.

Das reicht niemals bis Usedom.

An der Ladesäule in Neustrelitz folgt die nächste Ernüchterung. Der Schnelllade-Anschluss CCS (Combined Charging System fürs Gleich- und Wechselstromladen) der LiveWire korrespondiert nicht mit der dortigen Ladesäule. „Störung des Fahrzeugs – Fehler DTC 25008“ steht auf der Anzeige. Auch ein fünfzehnminütiges Gespräch mit dem Störungsdienst des Säulenbetreibers hilft nicht weiter.

Nur das Laden mit 1,4 Kilowatt wäre möglich. Es würde über zehn Stunden dauern, bis der 15,5-kW-Akku voll wäre. So viel Zeit ist nicht, also auf zur nächsten CCS-Schnellladesäule nach Neubrandenburg. Die App zeigt an, dass sie frei ist. Doch dort, zwei Kilometer vom Zentrum entfernt, wieder Ärger, aber mit anderem Hintergrund: Hier ist die Schnellladesäule defekt.

Kein schöner Anblick: Noch fast neun Stunden bis der Akku der LiveWire voll ist. © Rainer Unruh / mid
Die Sozia findet auf der LiveWire nur wenig Platz vor. © Harley-Davidson / TRD mobil

Mittlerweile hat die Test-LiveWire nur noch 30 Kilometer Reichweite. Es ist schon 18 Uhr. Da es in Richtung Usedom keine weiteren Ladesäulen gibt, bleibt nur langsames Laden und danach der Rückzug nach Hause. Sechs Stunden soll es dauern, bis der Akku zur Hälfte gefüllt ist. Kurz nach Mitternacht, nach drei Bier (alkoholfrei) in der Kneipe nebenan, kann die Tour zurück nach Berlin gewagt werden.

Im Stadtteil Charlottenburg zeigt das Display der Harley-Davidson LiveWire nur noch neun Kilometer Reichweite an. Ausgerechnet bei BMW steht die nächste Schnellladesäule. Dort klappt alles – innerhalb von einer Stunde wäre die LiveWire aufgeladen. Harley-Davidson weiß um die Probleme mit den hauptsächlich älteren Ladesäulen und teilt mit, dass man schnell Abhilfe schaffen wolle. Das wäre wünschenswert, denn die LiveWire kostet immerhin 32.165 Euro.

Für eine entspannte Wochenendtour mit ihr hat es bei diesem Test nicht gereicht, aber das lag nicht nur an der LiveWire, sondern auch an der fehlenden Infrastruktur und an den teils defekten Säulen. In Usedom wäre die Harley-Davidson LiveWire übrigens erst nach rund 16 Stunden Fahrt angekommen! Ohne Strom eben keine Ostsee!

Rainer Unruh / mid

Technische Daten Harley-Davidson LiveWire:

  • Motor: Elektro-Permanentmagnet-Synchronmotor
  • Antrieb: Riemenantrieb

  • Leistung: 78 kW/106 PS bei 11.000 U/min

  • max. Drehmoment: 116 Nm

  • Sitzhöhe: 760 mm / 780 mm

  • Trockengewicht: 249 kg

  • max. Reichweite (WMTC-Norm): 158 km

  • Höchstgeschwindigkeit: 178 Km/h

  • Preis: ab 32.165 Euro

© Global Press Nachrichtenagentur und Informationsdienste KG (glp)
Redakteur: Rainer Unruh

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– Als noch genügend Akkuladung vorhanden war: Zwischenstopp am Schloss in Dannenwalde.
© Rainer Unruh / mid

Heinz Stanelle

Wir befassen uns mit Ratgeber- und Leserthemen in allen gängigen Kategorien. Herausgeber ist der Journalist Heinz Stanelle aus Kaarst bei Düsseldorf.

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